DAS ZUSAMMENSPIEL DER KRÄFTE IN EINER SCHRAUBENVERBINDUNG
| Abbildung 1 | Abbildung 2 |
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Vereinfacht ausgedrückt gibt es zwei mögliche Arten statischer Belastung in einer Schraubenverbindung:
- Ohne Klemmkraft – die Kraft wird zwischen den Platten durch Flächenpressung und Scherkräfte im Schraubenschaft oder Gewinde übertragen. Die zu verbindenden Platten bewegen sich relativ zueinander, bis die Bohrungen am Schraubenschaft oder am Gewinde anliegen. In diesem Fall werden die Schrauben durch Querbelastung auf Scherung beansprucht; siehe Abbildung 1.
- Mit hoher Klemmkraft – die Klemmkraft verhindert eine Verschiebung der geklemmten Teile. Die Kraft wird durch Reibung übertragen und die Schrauben werden durch eine axiale Belastung auf Zug beansprucht; siehe Abbildung 2. Für Verbindungen aus Edelstahl lesen Sie unseren Leitfaden zur Vermeidung von Kaltverschweißen bei Edelstahlbefestigungselementen.
ELASTISCHE NACHGIEBIGKEIT EINER GEWINDEVERBINDUNG
- Die Schrauben und die verbundenen Bauteile bilden gemeinsam ein elastisch nachgiebiges System. Die geklemmten Bauteile werden elastisch zusammengedrückt, während sich die Schraube bei der Montage verlängert. Wird die Schraube durch eine äußere Belastung weiter gedehnt, federn die geklemmten Bauteile entsprechend zurück.
- Die Zugkraft in der Schraube entspricht der Druckkraft auf die geklemmten Bauteile, wie in Abbildung 3 dargestellt.
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EINE ELASTISCHERE SCHRAUBE FÜHRT ZU EINER GERINGEREN ZUNAHME DER SCHRAUBENBELASTUNG
KURZ ZUSAMMENGEFASST
- Die Konstruktionsteile sollten möglichst steif ausgeführt sein.
- Die Klemmkraft sollte so hoch wie sicher möglich sein und größer als die äußere Trennkraft bleiben.
- Es können elastischere Schrauben verwendet werden. Wählen Sie ein hohes Verhältnis von Klemmlänge zu Durchmesser von mindestens 5×D, wählen Sie gegebenenfalls eine größere Gewindelänge und verwenden Sie bei Bedarf eine Schraube mit reduziertem Schaft. Informationen zu dynamisch belasteten Verbindungen finden Sie in unserem Leitfaden zu Sicherungsmethoden für Befestigungselemente.
KONSTRUKTIONSPARAMETER FÜR SCHRAUBENVERBINDUNGEN
| Konstruktionsparameter | Einfluss auf die Schraubenbelastung | Einfluss auf die Klemmkraft | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Elastischere Schraube mit größerem L/D-Verhältnis | ↓ Verringert die zusätzliche Schraubenbelastung Fsa | ↓ Größere Abnahme der Klemmkraft Fpa | Verwenden Sie eine Klemmlänge von mindestens 5×D. |
| Steife geklemmte Werkstoffe | ↓ Verringert die zusätzliche Schraubenbelastung Fsa | ↓ Größere Abnahme der Klemmkraft Fpa | Verwenden Sie steife Werkstoffe wie Stahl oder Gusseisen und vermeiden Sie nach Möglichkeit weiche Dichtungen. |
| Höhere Vorspannkraft Fm | Keine Änderung der Fsa-Amplitude bei unveränderter Verbindungssteifigkeit | ↑ Höhere verbleibende Klemmkraft Fkr | Ziehen Sie die Schraube, sofern Konstruktion und Anziehverfahren dies zulassen, auf etwa 90 % der Prüfkraft an. |
| Reduzierter Schaftdurchmesser | ↓ Macht die Schraube elastischer | Siehe „elastischere Schraube“ | Verwenden Sie speziell konstruierte Schrauben mit reduziertem Schaft. Wo dies sinnvoll ist, kann eine teilweise mit Gewinde versehene Schraube wie DIN 931 einen längeren gewindefreien Schaft als DIN 933 aufweisen. |
| Größere Gewindelänge innerhalb der Klemmlänge | ↓ Macht die Schraube elastischer | Siehe „elastischere Schraube“ | Wählen Sie eine größere Gewindelänge, sofern die Verbindungskonstruktion und die erforderliche Gewindeeingriffslänge dies zulassen. |
| Weiche Dichtungen oder Unterlegscheiben | ↑ Erhöht die Schwankung der Schraubenbelastung | ↑ Größerer Verlust der Vorspannkraft im Laufe der Zeit | Vermeiden Sie nach Möglichkeit weiche Elemente. Falls diese unvermeidbar sind, sollten Tellerfedern und eine geeignete Sicherungsmethode eingesetzt werden. |
| Dynamische Belastung oder Vibration | ↑ Das Ermüdungsrisiko steigt | ↓ Risiko eines vollständigen Klemmkraftverlusts | Verwenden Sie eine geeignete Sicherungslösung, beispielsweise Nord-Lock Keilsicherungsscheiben oder Spiralock-Gewinde. Lesen Sie unseren Leitfaden zu Sicherungsmethoden. |
HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN ZU KRÄFTEN IN SCHRAUBENVERBINDUNGEN
Was ist die Vorspannkraft in einer Schraubenverbindung?
Die Vorspannkraft, bezeichnet als Fm, ist die anfängliche Klemmkraft, die beim Anziehen einer Schraube entsteht. Sie drückt die geklemmten Bauteile zusammen und verlängert die Schraube, wodurch ein elastisches System entsteht, das äußeren Belastungen widersteht. Ohne ausreichende Vorspannkraft wirken äußere Kräfte direkter auf die Schraube, wodurch das Risiko eines Ermüdungsbruchs steigt. Eine unzureichende oder verlorene Vorspannkraft steht mit etwa 80 % der Schraubenbrüche im Betrieb in Verbindung.
Warum lösen sich Schraubenverbindungen unter Vibration?
Vibrationen können Mikrobewegungen zwischen den geklemmten Oberflächen verursachen, wodurch die Klemmkraft beziehungsweise Vorspannkraft schrittweise abnimmt. Mit sinkender verbleibender Klemmkraft Fkr wird ein größerer Anteil jedes Lastwechsels als schwankende Spannung direkt auf die Schraube übertragen. Erreicht Fkr den Wert null, kann sich die Verbindung öffnen. Sicherungselemente wie Nord-Lock Keilsicherungsscheiben oder Spiralock-Gewinde tragen dazu bei, die Vorspannkraft bei dynamischer Belastung zu erhalten. Lesen Sie unseren Leitfaden zu Sicherungsmethoden für Befestigungselemente.
Wie beeinflusst die Elastizität einer Schraube die Ermüdungslebensdauer?
Eine elastischere Schraube kann durch ein größeres Verhältnis von Klemmlänge zu Durchmesser von mindestens 5×D, einen längeren Gewindeabschnitt innerhalb der Klemmlänge oder einen reduzierten Schaft erreicht werden. Im Kraft-Verformungs-Diagramm bedeutet eine flachere Schraubenkennlinie, dass ein geringerer Anteil der äußeren Kraft Fa in eine Zunahme der Schraubenbelastung Fsa umgesetzt wird. Da Schwankungen von Fsa zur Ermüdung beitragen, kann eine Verringerung dieser Zunahme die Ermüdungslebensdauer der Schraube verlängern.
Was ist das Verhältnis von Klemmlänge zu Schraubendurchmesser und warum ist es wichtig?
Das Verhältnis von Klemmlänge zu Schraubendurchmesser, auch L/D-Verhältnis genannt, entspricht der Gesamtdicke der geklemmten Bauteile geteilt durch den Nenndurchmesser der Schraube. Ein Verhältnis von mindestens 5:1 wird empfohlen, da die Schraube dadurch ausreichend elastisch wird, um äußere Belastungen ohne übermäßige Spannungsschwankungen aufzunehmen. Kurze Schrauben mit einem niedrigen L/D-Verhältnis sind vergleichsweise steif und übertragen einen größeren Anteil der dynamischen Belastung direkt auf die Schraube.
Wie wähle ich zwischen einer auf Scherung und einer auf Zug belasteten Schraubenverbindung?
Bei auf Scherung belasteten Verbindungen mit Querbelastung wird die Kraft dadurch übertragen, dass der Schraubenschaft oder das Gewinde an der Bohrung anliegt. Hierfür können Passschrauben, Bohrungen mit engen Toleranzen oder geriebene Bohrungen erforderlich sein. Bei auf Zug belasteten Verbindungen mit axialer Belastung erzeugt die Klemmkraft Reibung, die eine Verschiebung der Platten verhindert. Stark vorgespannte Zugverbindungen sind in der Regel besser vorhersehbar, einfacher hinsichtlich Ermüdung auszulegen und mit normalen Durchgangsbohrungen kompatibel. Für korrosive Umgebungen lesen Sie unseren Leitfaden zu Edelstahlbefestigungselementen.
Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2026
ZUGEHÖRIGE PRODUKTE UND TECHNISCHE LEITFÄDEN
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- Muttern für hochfeste Schraubenverbindungen — wählen Sie eine Mutter mit kompatibler Festigkeitsklasse und Gewindespezifikation.
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- Tellerfedern und Belleville-Federn — geeignet für Anwendungen, bei denen eine kontrollierte elastische Kompensation erforderlich ist.
Zugehörige technische Leitfäden
- Sicherungsmethoden für Befestigungselemente — vergleichen Sie Methoden zur Erhaltung der Vorspannkraft und zur Vermeidung des Lösens durch Vibration.
- Kaltverschweißen bei Edelstahlbefestigungselementen vermeiden — erfahren Sie, wie Reibung, Schmierung und Montagebedingungen Edelstahlverbindungen beeinflussen.
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