Ankerarten – So wählen Sie den richtigen Anker
Anker schaffen sichere Verbindungen zwischen Bauteilen und Verankerungsgründen wie Beton, Mauerwerk oder Hohlbaustoffen. Die Wahl des richtigen Ankers hängt von der Anwendung, den auftretenden Lasten, dem Verankerungsgrund und den Bedingungen ab, unter denen die Befestigung montiert wird.
Von leichten Befestigungen bis hin zu konstruktiven Verankerungen in Beton sind unterschiedliche Ankerarten für verschiedene Leistungsanforderungen ausgelegt. Zu verstehen, wie sie funktionieren und wo sie eingesetzt werden sollten, ist der erste Schritt zur Auswahl einer zuverlässigen Verankerungslösung.
Die wichtigsten Ankerarten verstehen
Anker können grundsätzlich nach ihrem vorgesehenen Einsatzbereich und ihrer Leistungsfähigkeit eingeteilt werden. Die folgenden Kategorien bieten eine hilfreiche erste Orientierung. Die tatsächliche Eignung und Tragfähigkeit eines Ankers müssen jedoch immer anhand der relevanten Produktzulassung und der jeweiligen Anwendungsbedingungen überprüft werden.
Anker für leichte Lasten
Anker für leichte Lasten werden typischerweise bei Anwendungen eingesetzt, bei denen relativ geringe Lasten in den Verankerungsgrund übertragen werden. Häufige Beispiele sind leichte Bauteile, Kabelmanagement, Beschilderungen und nichttragende Komponenten.
Die Wahl der richtigen Befestigung hängt stark vom Verankerungsgrund ab, insbesondere bei Hohlbaustoffen, Mauerwerk oder Leichtbaukonstruktionen.
Anker für mittlere Lasten
Verankerungslösungen für mittlere Lasten werden eingesetzt, wenn eine höhere Tragfähigkeit und Zuverlässigkeit erforderlich sind. Typische Anwendungen sind Halterungen, Konsolen, Handläufe, Installationen und Geräte, die an Beton oder Mauerwerk befestigt werden.
Mechanische Spreizanker, Betonschrauben und andere zugelassene Systeme können je nach Last, Verankerungsgrund und Montageanforderungen geeignet sein.
Schwerlast- und konstruktive Anker
Schwerlastanker sind für anspruchsvolle Anwendungen ausgelegt, bei denen höhere Lasten oder konstruktive Leistungsanforderungen gelten. Beispiele hierfür sind Stahlstützen, Tragkonstruktionen, Maschinen, Barrieren und andere sicherheitskritische Verbindungen mit Beton.
Sowohl mechanische als auch chemische Verankerungssysteme können für konstruktive Anwendungen eingesetzt werden. Die Auswahl sollte auf der relevanten Zulassung, den Bemessungsanforderungen und den tatsächlichen Projektbedingungen beruhen und nicht allein auf der Lastkategorie.
Wichtig: Lastkategorien dienen lediglich als allgemeine Orientierung und dürfen nicht als Bemessungstragfähigkeiten interpretiert werden. Die tatsächliche Leistung eines Ankers hängt vom Anker selbst, dem Verankerungsgrund, dem Zustand des Betons, der Montagegeometrie, den Achsabständen, den Randabständen, der Verankerungstiefe und der relevanten Produktzulassung ab.
Ankerarten auf einen Blick
Die folgenden Kategorien bieten einen allgemeinen Vergleich typischer Verankerungsanwendungen. Prüfen Sie für jede konkrete Anwendung stets die geeignete Lösung anhand der relevanten technischen Dokumentation, Produktzulassung und Bemessungsanforderungen.
Anker für leichte Lasten
Typische Anwendungen
Beschilderungen, Kabelmanagement, leichte Bauteile und nichttragende Komponenten.
Gängige Ankerarten
Dübel, leichte Befestigungen und Anker für Hohlbaustoffe.
Allgemeine Leistungsfähigkeit
Für Anwendungen mit relativ geringen Lasten ausgelegt.
Anker für mittlere Lasten
Typische Anwendungen
Halterungen, Handläufe, Konsolen, Installationen und Geräte.
Gängige Ankerarten
Spreizanker, Hülsenanker und Betonschrauben.
Allgemeine Leistungsfähigkeit
Geeignet für Anwendungen, die eine höhere Tragfähigkeit und Zuverlässigkeit erfordern.
Schwerlast- und konstruktive Anker
Typische Anwendungen
Stahlkonstruktionen, Maschinen, Barrieren und sicherheitskritische Verbindungen.
Gängige Ankerarten
Bolzenanker, mechanische Schwerlastanker und chemische Verankerungssysteme.
Allgemeine Leistungsfähigkeit
Für anspruchsvolle und konstruktive Anwendungen, die eine technisch fundierte Auswahl erfordern.
Mechanische oder chemische Anker?
Sowohl mechanische als auch chemische Anker können zuverlässige Verbindungen mit Beton herstellen, übertragen die Lasten jedoch auf unterschiedliche Weise in den Verankerungsgrund. Die richtige Wahl hängt von der Anwendung, dem Verankerungsgrund, den Belastungsbedingungen und den Montageanforderungen ab.
Mechanische Anker
Mechanische Anker übertragen Lasten durch Mechanismen wie Spreizung, Hinterschnitt oder mechanischen Formschluss in den Verankerungsgrund. Typische Beispiele sind Bolzenanker, Hülsenanker, Einschlaganker und Betonschrauben.
Sie können eine schnelle und praktische Lösung bieten, wenn Verankerungsgrund, Lastanforderungen und Montagebedingungen geeignet sind.
Chemische Anker
Chemische Verankerungssysteme verwenden einen Verbundmörtel, um eine Gewindestange oder einen Bewehrungsstab in einem Bohrloch zu verankern. Sie können hohe Tragfähigkeiten bieten und ermöglichen flexible Lösungen bei Anwendungen, bei denen Randabstände, Achsabstände oder die Verankerungstiefe wichtige Faktoren sind.
Eine korrekte Vorbereitung und Reinigung des Bohrlochs, die fachgerechte Verarbeitung des Verbundmörtels und die Einhaltung der Aushärtezeit sind entscheidend, um die spezifizierte Leistung zu erreichen.
Mehr über mechanische und chemische Anker erfahren >
So wählen Sie den richtigen Anker
1. Auftretende Lasten verstehen
Bestimmen Sie, ob die Verankerung durch Zug, Querlast oder eine Kombination aus beiden beansprucht wird. Lasten können außerdem statisch, dynamisch oder durch andere Projektbedingungen beeinflusst sein.
Mehr über Lasten auf Anker erfahren >
2. Verankerungsgrund bestimmen
Beton, Mauerwerk, Hohlbaustoffe und leichte Untergründe verhalten sich unterschiedlich. Festigkeit und Zustand des Verankerungsgrunds haben direkten Einfluss darauf, welche Verankerungssysteme eingesetzt werden können.
Verankerungsgründe entdecken >
3. Gerissenen oder ungerissenen Beton berücksichtigen
Konstruktiver Beton kann Zugspannungen ausgesetzt sein, die zu Rissbildung führen. Anker, die in gerissenem Beton eingesetzt werden, müssen für diese Bedingungen zugelassen und bemessen sein.
Druck- und Zugzonen verstehen >
4. Montage- und Umgebungsbedingungen prüfen
Randabstand, Ankerabstand, Verankerungstiefe, Bohrlochvorbereitung, Korrosionsbeanspruchung, Temperatur, Brandschutzanforderungen und Montagemethode können die Leistungsfähigkeit eines Ankers beeinflussen.
Bedingungen für Verankerungen entdecken >
Den richtigen Anker für Ihre Anwendung berechnen
Die Wahl der Ankerart ist nur ein Teil des Bemessungsprozesses. Bei konstruktiven Befestigungen in Beton hängt die Eignung eines Ankers auch vom Zusammenspiel zwischen Lasten, Betonzustand, Ankergeometrie, Achsabständen, Randabständen und Verankerungstiefe ab.
Der Fabory Anchor Calculator unterstützt Sie bei der Bemessung nachträglich installierter Verankerungen für konstruktive Anwendungen in Beton gemäß EN 1992-4. Geben Sie Ihre Projektbedingungen ein, um geeignete Verankerungslösungen zu ermitteln und nachzuvollziehen, warum alternative Anker die Bemessungsanforderungen möglicherweise nicht erfüllen.
- Nachträglich installierte Verankerungen gemäß EN 1992-4 bemessen
- Berechnungen für gerissenen und ungerissenen Beton durchführen
- Bemessungsbedingungen für Brand- und Erdbebenfälle berücksichtigen
- Berechnungsberichte für die Projektdokumentation erstellen
Fabory Anchor Calculator verwenden >
Normen und Zulassungen für Anker
Bei konstruktiven Verankerungsanwendungen in Europa sollten Auswahl und Bemessung von Ankern auf dem Anwendungsbereich und den Leistungsdaten der relevanten Europäischen Technischen Bewertung (ETA) sowie den geltenden Bemessungsanforderungen basieren.
EN 1992-4 bildet den europäischen Bemessungsrahmen für Befestigungen in Beton und berücksichtigt unter anderem Zug- und Querlasten, Versagensarten des Betons, Randabstände, Achsabstände und das Verhalten von Ankergruppen.
Je nach Markt und Anwendung können zusätzliche Normen oder Zulassungen gelten. Prüfen Sie stets die technische Dokumentation und die Zulassungen für das jeweilige Verankerungsprodukt und die konkrete Anwendung.
Weitere technische Informationen zur Verankerung entdecken
Entdecken Sie weitere technische Informationen von Fabory zum Thema Verankerung:
- Lasten auf Anker verstehen >
- Verankerungsgründe >
- Gerissener und ungerissener Beton >
- Bedingungen für Verankerungen >
- Praxisgerechte Verankerungsbemessung >
- Alle technischen Informationen zur Verankerung entdecken >
Benötigen Sie Hilfe bei der Auswahl eines Ankers?
Die Auswahl eines Ankers kann komplex werden, wenn konstruktive Lasten, ungewöhnliche Verankerungsgründe oder anspruchsvolle Umgebungsbedingungen eine Rolle spielen. Die technischen Spezialisten von Fabory unterstützen Sie dabei, die Anforderungen Ihrer Anwendung zu bewerten und geeignete Verankerungslösungen zu identifizieren.
Unsere technischen Spezialisten kontaktieren >
Häufig gestellte Fragen zur Auswahl von Ankern
Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Ankerarten, Auswahl und konstruktiven Verankerungsanwendungen.
Was ist der Unterschied zwischen mechanischen und chemischen Ankern?
Mechanische Anker übertragen Lasten durch Spreizung, mechanischen Formschluss oder einen ähnlichen Mechanismus in den Verankerungsgrund. Chemische Anker verwenden einen Verbundmörtel, um eine Gewindestange oder einen Bewehrungsstab in einem Bohrloch zu verankern. Das geeignete System hängt unter anderem von Last, Verankerungsgrund, Randabständen, Achsabständen und Montagebedingungen ab.
Wie wähle ich die richtige Ankerart aus?
Berücksichtigen Sie zunächst die auftretenden Lasten, den Verankerungsgrund, den Betonzustand, die Montagemethode und die Umgebungsbedingungen. Prüfen Sie bei konstruktiven Anwendungen die Eignung des Ankers anhand der relevanten Produktzulassungen und geltenden Bemessungsanforderungen.
Können Anker in gerissenem Beton verwendet werden?
Ja, aber Anker, die in gerissenem Beton eingesetzt werden, müssen für diese Bedingungen geeignet und zugelassen sein. Rissbildung kann die Leistungsfähigkeit eines Ankers beeinflussen. Der Betonzustand sollte daher bei der Auswahl und Bemessung berücksichtigt werden.
Wann sollte eine Verankerungsanwendung berechnet werden?
Konstruktive und sicherheitsrelevante Befestigungen sollten nach der geltenden Bemessungsmethode und der relevanten Produktzulassung bemessen werden. Für nachträglich installierte Befestigungen in Beton in Europa bildet EN 1992-4 den Bemessungsrahmen, der zusammen mit den Leistungsdaten aus der relevanten Europäischen Technischen Bewertung angewendet wird.
Kann mir der Fabory Anchor Calculator bei der Auswahl eines Ankers helfen?
Ja. Der Fabory Anchor Calculator unterstützt Sie bei der Bemessung nachträglich installierter Verankerungen für konstruktive Anwendungen in Beton gemäß EN 1992-4. Er bewertet die Projektbedingungen und identifiziert auf Grundlage Ihrer Eingaben geeignete Verankerungslösungen.