text.skipToContent text.skipToNavigation
News banner- Latest news from Fabory

    Autor: Roeland De Sonnaville                      Datum: 02/07/2026

Fragen man einen Produktionsleiter, was ihn nachts wachhält, steht das EU-CO₂-Grenzausgleichssystem (CBAM) selten ganz oben auf der Liste. Energiekosten, Fachkräftemangel und die anhaltenden Folgen von Lieferkettenstörungen dominieren die Gespräche. Dabei hat sich die Regulierung inzwischen von der reinen Berichtspflicht zu echten finanziellen Verpflichtungen gewandelt. Dennoch ist einem Großteil der Hersteller, die Verbindungselemente und andere Industriekomponenten einkaufen, noch gar nicht bewusst, dass dies auch ihr Problem ist.

Dieser blinde Fleck droht teuer zu werden.

Das Missverständnis, das am meisten zählt

Das häufigste Missverständnis, dem ich in Gesprächen mit Kunden begegne, ist, dass CBAM „ein Lieferantenthema“ sei. Viele Einkäufer gehen davon aus, dass die Auswirkungen für sie minimal bleiben. Der Gedanke ist simpel: Der Importeur zahlt die Abgabe, der Lieferant schlägt die zusätzlichen Kosten auf und der Einkäufer macht weiter wie bisher.

Das ist zwar eine nachvollziehbare Annahme, aber in drei wesentlichen Punkten falsch.

Erstens ist die Regulierung strukturell. CBAM ist weder ein temporärer Aufschlag noch eine einmalige CO₂-Steuer. Es ist ein permanenter EU-Mechanismus, der darauf ausgelegt ist, die CO₂-Kosten importierter Waren an die in der EU hergestellter Güter anzupassen um so eine Verlagerung von CO₂-Emissionen (Carbon Leakage) zu verhindern. CBAM bringt echte strukturelle Kosten für importierte Waren mit sich. Diese Kosten gelten für alle Importe und werden jährlich auf Basis des aktuellen CO₂-Preises und des steigenden CBAM-Abgasesatzes neu berechnet.

Zweitens können die Kosten letztlich nur an den Einkäufer weitergegeben werden. EU-Importeure, die „anmeldepflichtigen Personen “ nach den CBAM-Regeln - sind gesetzlich verpflichtet, CBAM-Zertifikate zu erwerben und abzugeben, um die eingebetteten Emissionen ihrer importierten Waren abzudecken. Der aktuelle Referenzpreis für Zertifikate liegt bei etwa 87 € pro Tonne CO₂, und EU-politische Projektionen deuten darauf hin, dass dieser bis 2034 auf 200–300 € pro Tonne steigen könnte, wenn kostenlose Zuteilungen auslaufen. Für CO₂-intensive, komplexe Güter wie Verbindungselemente, bei denen der Großteil der Emissionen vorgelagert (beim Schmelzen und Walzen von Stahl) entsteht, ist dieser Kostenfaktor erheblich. Ein Importeur, der mit üblichen Industriemargen arbeitet, kann diese Kosten nicht unbegrenzt abfedern.

Drittens erfordert CBAM Investitionen in Systeme, Prozesse und das Lieferkettenmanagement. Und diesen Punkt unterschätzen viele Einkäufer noch. Importeure müssen Zugang zu verifizierten Emissionsdaten, Nachweisen über bereits gezahlte CO₂-Preise und Informationen aus Produktionsstätten außerhalb der EU haben. Diese Daten liegen längst nicht immer vor. Fehlen sie, müssen Importeure von den höchsten Standardemissionswerten ausgehen. Die daraus resultierenden Mehrkosten werden letztlich an den Einkäufer weitergereicht.

Warum befinden sich Verbindungselemente in einer schwierigen Lage?

Gemäß der CBAM-Verordnung fallen unter anderem Eisen und Stahl, Aluminium, Zement, Düngemittel und Wasserstoff in den Anwendungsbereich. Verbindungselemente werden dabei nicht explizit genannt. Viele Verbindungselemente fallen jedoch aufgrund ihrer Zollklassifizierung unter die Kategorie Eisen und Stahl und unterliegen somit der CBAM-Regelung.

Die Realität der Lieferkette verstärkt diesen Effekt noch. Mehr als 85 % des in der EU und im Vereinigten Königreich verbrauchten Volumens an Verbindungselementen werden von außerhalb der EU bezogen, überwiegend aus Asien. Ein erheblicher Anteil wird weiterhin außerhalb der EU hergestellt und über europäische Händler geliefert. Es gibt kein realistisches Szenario, in dem die europäische Produktionskapazität für Verbindungselemente dieses verlagerte Volumen auffangen könnte, falls Einkäufer versuchen sollten, ausschließlich auf EU-Beschaffung umzustellen. Das strukturelle Risiko ist für die gesamte Produktkategorie unvermeidbar.

Dies ist kein Problem, das sich Einkäufer irgendwie durchmogeln können.Es ist ein Problem, um das herum sie planen müssen.

Wie echtes „Leadership“ in diesem Markt aussieht

Bei einer strukturellen Kostensteigerung ist die Versuchung für jeden Lieferanten groß, sich auf schwierige Verhandlungen einzustellen und defensive Argumente vorzubereiten. Das ist verständlich, lässt aber die weitaus größere Chance ungenutzt.

Die Lieferanten, die am besten vorbereitet aus der CBAM-Einführung hervorgehen, sind diejenigen, die das Ganze nicht als reines Preisproblem betrachten, sondern als Chance zur Zusammenarbeit. Einkäufer, die kein fundiertes Verständnis für CBAM entwickeln, keine Emissionsdaten aus ihrer Lieferkette parat haben und keinen Plan für künftige Kostentrends besitzen, werden im Vergleich zu aktiv begleiteten Einkäufern eine materiell deutlich schlechtere Ausgangsposition haben.

Praktische Führungskompetenz bedeutet in dieser Kategorie einiges. Sie bedeutet, CBAM direkt in den aktuellen Verkaufsgesprächen anzusprechen, anstatt zu warten, bis die erste Rechnung die Diskussion auslöst. Kunden dabei zu helfen, den Unterschied zwischen Standardemissionswerten und verifizierten Lieferantendaten zu verstehen. Letztere können das langfristige Risiko erheblich senken, während der regulatorische Rahmen weiter Gestalt annimmt. Anzuerkennen, dass die gesamte Lieferantenbasis Verantwortung für die Reduzierung ihres CO₂-Fußabdrucks übernehmen muss und dass wir als Verteiler einzigartig positioniert sind, um diesen Dialog zu steuern. CBAM gibt uns einen Hebel an die Hand: Wir können ihn nutzen, um CO₂-Emissionen im Laufe der Zeit zu senken und unsere Lieferkette gezielt mit Partnern aufzubauen, die sowohl fähig als auch bereit sind, in die notwendigen Maßnahmen zu investieren. Das ist nicht bloß Compliance – es ist die Chance, ein Lieferanten-Ökosystem aufzubauen, das tatsächlich nachhaltiger ist. Damit bieten wir unseren Kunden einen Weg zu einem geringeren langfristigen Risiko, statt einfach nur unvermeidbare Kosten weiterzugeben.

Das Zeitfenster ist kleiner, als es scheint

Das offizielle Compliance-Bild vermittelt ein falsches Gefühl für den Zeitplan. Jahreserklärungen für Waren, die 2026 importiert werden, sind erst im Mai 2027 fällig, was sich wie ein komfortabler Vorlauf anfühlen kann. Das ist es nicht. Die Verifizierung von Emissionsdaten erfordert Zeit. Akkreditierte Verifizierer bauen ihre Kapazitäten noch auf. Preisverhandlungen, die heute stattfinden, müssen bereits die Realität von 2026 widerspiegeln, denn Verträge, die jetzt unterzeichnet werden, werden in Kraft sein, wenn CBAM greift.

CBAM wird nicht verschwinden. Einkäufer, die es als strategische Herausforderung und nicht als Beschaffungsärgernis behandeln, werden für die kommenden Jahre weitaus besser aufgestellt sein als diejenigen, die es ignorieren.

Schließen Sie diese Seite nicht. Diese Meldung wird verschwinden, wenn die Seite vollständig geladen ist.